Die News zur Series-A von eleQtron aus Siegen geht gerade durch die Decke. 57 Millionen Euro für Quantencomputing „Made in Germany“ – ein Erfolg? Klar. Aber wenn man seit mehr als zwei Jahrzehnten an der Schnittstelle von Business, Technologie und Skalierung arbeitet und seit über einem Jahrzehnt die Qubit-Entwicklung mitverfolgt, sieht man hier gefährliche Parallelen zu früheren deutschen Innovationszyklen.
Wir begehen in Europa oft den gleichen Fehler: Wir verlieben uns in die Hardware (in diesem Fall die geniale Mikrowellen-Steuerung) oder entwickeln neue Standards, während die globale Konkurrenz uns technologisch und strategisch einkreist.
Die aktuelle Entwicklung lässt sich wie folgt zusammenfassen:
Hardware-Stolz vs. Plattform-Realität: Während wir uns in Europa auf die (sicherlich brillante) Hardware fokussieren, setzt man in China auf Open-Source-Betriebssysteme (wie Origin Pilot). Warum? Weil sie damit das Ökosystem kontrollieren. Mein Ansatz: Nutzt die Open-Source-Basis der anderen! Wir sollten unsere Hardware so schnell wie möglich auf diese globalen Stacks abstimmen, um Marktzugänge in Asien und den USA zu erzwingen, bevor die Türen zugehen.
Der Marktzugang: Wenn die Hardware-Kopien aus Asien kommen – und sie werden kommen –, müssen wir bereits im Markt präsent sein. Wir müssen in deren Systemen stecken. Wer wartet, bis die eigene Lösung „perfekt“ ist, hat den Anschluss bereits verloren. Die Abstimmung auf bestehende globale Software-Stacks könnte hier als Hebel dienen, um Präsenz zu zeigen.
Lizenzierung statt Maschinenbau: Der wahre Wert liegt nicht im Metall und Vakuum, sondern in den exklusiven, schwer kopierbaren Lösungen und der Software. Hört auf, nur Computer zu verkaufen. Entwickelt exklusive Lizenzmodelle für High-End-Lösungen, die andere (noch) nicht haben. Die Software und die IP müssen im Fokus stehen.
Kurz gesagt:
Man sollte jetzt nicht in die „Hardware-Falle“ tappen und stattdessen den Fokus auf die Schnittstellen und Monetarisierung der Software legen – sich weniger auf kurzfristige Prozessoptimierung für ein Handelsunternehmen konzentrieren, sondern eine radikale Deep-Tech-Vision entwickeln.
Mein Fazit für 2026:
Kein „Made in Germany“-Bonus mehr. Niemanden interessiert das Label, wenn das asiatische Ökosystem schneller, offener und billiger ist. Entweder wir besetzen die Schnittstellen und lizenzieren unsere Genialität, bringen es so in den Markt, dass es genutzt und skaliert wird, oder wir liefern in 5 Jahren wieder nur die Baupläne für den Erfolg der anderen.
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